Alexander Rabe – Meine zweite Heimat

18. November 2020

Die fußballfreie Zeit wollen wir nutzen und Euch gern unsere Chronik an das Herz legen. Dazu heute das Grußwort von Alexander Rabe zu 100 Jahren Briesker Knappen. Die Chronik 100 Jahre Briesker Knappen ist über unser Kontaktformular für einen Preis von 10,00 Euro zzgl. Versand bestellbar.

Meine zweite Heimat

Auf dem Papier ist es “nur” ein Fußballverein, für mich ist der “FSV “Glückauf” Brieske Senftenberg aber viel mehr als das. Der FSV war für mich Freundschaft, Anker, Abenteuer, Geselligkeit, Vergnügen, Enttäuschung und Arbeit. Im Laufe meiner schwarz-gelben Zeit ist der Verein auch zu einem Teil meiner Familie geworden. Ob es nun meine Eltern waren, die noch bis in den Männerbereich Spiele in der Elsterkampfbahn besuchten, oder ob es jetzt meine eigene Familie ist, irgendwie sind sie alle zu waschechten Brieskern geworden. Als ich vor mehr als 20 Jahren gemeinsam mit Marcus Wolf vom SV Askania Schipkau wechselte, hatte ich aus fußballerischer Sicht meine wohl schönsten Jahre. Damals bedeutete es eine ganze Menge, in der Briesker Talentschmiede die Töppen zu schnüren. Unfassbar, was wir bzw. unsere Familien für einen Aufwand betrieben haben, nur um in Brieske Fußball zu spielen. Bevor wir selbst auf unseren “Simis” bei Wind und Wetter nach SFB tuckerten, fuhr uns meistens Opa Wolf dreimal die Woche zum Training und als Krönung am Wochenende noch einmal zum Spiel. Bei Auswärtsfahrten klingelte um 5:30 Uhr der Wecker. Jan Kalus mussten wir regelmäßig zu Hause abholen.

Dass man als Trainer in der heutigen Zeit A-Juniorenspieler aus der Umgegend zum Training abholen muss, lässt mich nur fassungslos den Kopf schütteln. Trainer André Schellack hätte für so einen Vorschlag wohl alle fünf Finger gespreizt, in die Luft gehoben und es wäre ein “Fuffziger” Strafe fällig gewesen. Manfred “Manne” Tauchmann und Günter “Kattel” Haiasch hätten sich mit ziemlicher Sicherheit vor Lachen in die Hose gemacht. Es war jedenfalls eine großartige Zeit und wären Spieler wie Danny Freitag, David Schmidt, Stephan Ospalek, Maik Bruntsch, Marcus Drobisch und viele andere mehr zusammengeblieben, hätten wir es mindestens bis in die Regionalliga geschafft :-).

Mit 17 hat mich Lothar Hamann zu den Männern geholt und ich würde euch jetzt gern die großen Erfolge aufzählen, die ich mit den Herren errungen habe. Bis auf ein Tor gegen die Bundesligamannschaft von Energie Cottbus und ein, zwei Aufstiege kann ich euch da aber nicht viel bieten. Rückblickend bin ich darüber aber keinesfalls traurig. Denn Fußball war für mich nie mehr als Freizeitbeschäftigung mit ein wenig leistungssportlichem Charakter. Aber eins kann ich euch sagen: Verrückte Typen sind mir hier reihenweise vor die Nase gelaufen, die mal mehr oder weniger das Briesker-Gen mitbrachten. Gezeigt hat sich das vor allem in den schweren Zeiten. Als der Verein in finanzielle Schieflage geriet und mit einem Bein im Grab stand, dürfte es annähernd eine ganze Mannschaft gewesen sein, die dem Verein den Rücken kehrte und die Spieler wie Heuschrecken über die Dörfer zogen. Echte Briesker gab es aber immer. Und es gibt sie auch heute noch. Damals hießen sie Schulze, Matschke oder Georgi. Heute heißen sie Rietschel – davon gibt es gleich drei – Hübner, Wedekind, Ertel oder Rabe. Ihnen allen war es egal, ob die paar versprochenen Piepen Fahrgeld am Monatsende auf dem Konto waren oder nicht.

Für’n Bierchen, ne fette Abschlusssause und Zeit mit ihren Freunden haben sie sich den Arsch aufgerissen und ihre Knochen hingehalten. Apropos Sause. Egal wer in Brieske strandete, feiern konnten irgendwie alle. Manchmal war ich mir nicht sicher, ob tatsächlich das fußballerische Können das entscheidende Kriterium war. Geschichten könnte ich jedenfalls viele erzählen, behalte sie aber besser für mich. Ein einzelner Frauenschuh im Hotelzimmer ohne dazugehörige Frau war aber noch eher harmlos. Abgesehen von den Spielern und Trainern, die während meiner Zeit mal mehr oder weniger erfolgreich den Briesker Fußball prägten, ist es mir an dieser Stelle ein Bedürfnis, all diejenigen Brieskerinnen und Briesker zu erwähnen, die an anderer Stelle den Verein bereichert haben bzw. es noch immer tun. Ohne Renate wäre alles nur halb so schön gewesen. Christel Lüderitz und Ulrich Kallasch dürften mittlerweile mit großem Abstand die dienstältesten Ehrenamtler im Verein sein und wenn ich heute noch hin und wieder in der Elsterkampfbahn bin, muss ich oft an Lothar denken. Aus Schacksdorf machte sich der Briesker Ultra mit dem Fahrrad auf den Weg und bezog sein Plätzchen hinterm Kohletor. Bei jedem verdammten Heimspiel. Vor allen ziehe ich meinen Hut und sage: Danke! Meine Zelte musste ich in Senftenberg inzwischen abbrechen. Berufliche Veränderung, sagt man so schön. Meine Aufgabe im Präsidium konnte ich so nicht mehr erfüllen. Ja, richtig gelesen, Präsidium. In meinen letzten Briesker Jahren habe ich es sogar zum Vereinsfunktionär gebracht. Und rückblickend würde ich es immer wieder tun. Mit dem damaligen Präsidium Herbert, Steffen, Andreas, Heiner und Jeanette haben wir im Verein einiges bewegt. Selbstverständlich gibt es immer Querulanten, die es besser wissen und besser können, aber erfolgreiches ehrenamtliches Engagement macht stolz. Ich glaube der FSV ist heute auf einem guten, gesunden Weg mit Perspektive. Die hervorragende Nachwuchsarbeit wird flankiert von Veranstaltungen, die in der näheren Umgebung Ihresgleichen suchen und alles zusammen basiert auf dem Engagement von vielen Ehrenamtlichen. Glück auf!

[Alexander Rabe]

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