Winterinterview mit Steffen Rietschel

26. Dezember 2019

Knappen-Umfeld träumt vom Aufstieg

Mit dem klaren Sieg gegen den 1.FC Guben verabschiedeten sich die Briesker Knappen erfolgreich in die Winterpause und liegen damit nur drei Punkte hinter Spitzenreiter Wernsdorf, die den Lausitzern auch die herbste Niederlage der Saison zufügte.

Zur Hinrunde und dem Ausblick auf das Jahr 2020 sprachen wir mit Trainer Steffen Rietschel:

Herr Rietschel, 12 Siege, drei Niederlagen zeigen eine gute Hinrunde auf, mit der Sie als Trainer zufrieden sein können, oder?

Prinzipiell spricht nicht viel gegen eine positive Einschätzung und doch waren es gerade die drei Niederlage, die uns aufzeigten, dass wir weiterhin eine gute Landesligamannschaft sind, aber für mehr noch viel arbeiten müssen. Die Niederlage in Ströbitz war mit dem damaligen Kader zwar vermeidbar, aber am Ende verkraftbar. Ärgerlicher sind da schon die klare Niederlage in Wernsdorf, bei der wir gar keinen Zugriff auf das Spiel hatten und die Heimniederlage gegen Hohenleipisch, die uns klar und deutlich den Schneid abkauften.

Im Umfeld der Knappen hörte man erste Stimmen, dass man nun angreifen soll und Platz Eins im Blick haben sollte. Wie sehen Sie die Situation?

Mit drei Punkten Rückstand auf Rang Zwei liegend muss unser Blick natürlich Richtung Tabellenspitze gehen. Wir wollen uns ja stetig verbessern und die logische Folge nach Platz Zwei ist nun mal der Platz an der Spitze. Wir wissen aber realistisch auch, dass Wernsdorf mit Griebsch und Richter zwei Entscheidungsspieler im Kader hat, die jede Partie auf Ihre Seite ziehen können. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, haben im direkten Spiel etwas gut zu machen und werden am Ende sehen, ob es reicht oder nicht.

Die zweite Hälfte der Hinrunde verlief sportlich gut, wobei es im Kader einige Male sehr eng aussah.

Unser Kader ist nicht so groß wie es scheint, so dass wir Ausfälle nur schwer kompensieren können. Gerade unter der Woche, wo eine Vielzahl der Spieler in ganz Deutschland unterwegs zur Ausbildung oder Schule ist, bleibt die Trainingsarbeit manchmal auf der Strecke. Die Ausbildung und Arbeit steht in unseren Bereichen klar an erster Stelle, so dass ich vor meinen Spielern den Hut ziehen muss, die dann Wochenende für Wochenende anreisen und gute Mannschaftsleistungen abrufen.

Wird sich der Kader zur Rückrunde noch einmal verändern?

Wir halten die Augen offen und freuen uns auch, wenn interessante Spieler bei uns sind oder zu uns wollen, aber unser Hauptaugenmerk wird weiter darin liegen, unsere eigenen Spieler im Nachwuchs auszubilden und mit diesen unsere Herrenmannschaften zu bestücken. Die aktuell angeschlagenen und verletzten Spieler werden sicher zur Rückrunde wieder einsteigen und hoffentlich für Entlastung sorgen.

Sie sprechen den eigenen Nachwuchs an. Wie sehen Sie die Perspektiven für den Nachwuchs bei Ihnen?

Wir haben mit Thomas Meyer und Uwe Bierfreund sehr gute und erfahrene A-Jugendtrainer, die mit dem jungen Jahrgang eine tolle Hinrunde spielten. Diese Mannschaft beobachten wir aktuell schon sehr genau, werden auch ein paar Talente mit in das Wintertrainingslager nehmen und die letzten Jahre hat es ja gezeigt, wer gewillt ist mit Einsatz, Leidenschaft und Trainingsbeteiligung im Herrenbereich anzugreifen, wird seine Chancen bekommen.

Und lassen Sie mich noch eins anmerken: Wir haben einen großartigen Unterbau im Nachwuchsbereich mit guten lizenzierten Trainern, die sich stets Gedanken machen, wie wir zusammen die Kinder und Jugendlichen für den FSV besser machen können. Das geht von den Bambinis los, mündet zum Beispiel in Rang Eins der D1-Junioren in der Landesliga Süd, die sich für die neu geschaffene Brandenburgliga qualifizieren wollen und hat in zwei C- und zwei B-Juniorenmannschaften die Schnittstelle vom Kleinfeld zum Großfeld. Als Vizepräsident kann ich für das ganze Präsidium nur unseren großen Stolz auf unsere Ehrenamtler aussprechen und ein großes Danke loswerden.

Ehrenamtliche Arbeit, ein Vollzeit-Job, Trainer und Vize-Präsident – Wird das Ehrenamt eigentlich ordentlich gewürdigt und bekommt man das alles unter einen Hut?

Erst einmal bin ich ja nicht allein für das Gesamte verantwortlich, wir sind eine gut aufgestellte Führungsebene im Verein mit einer Geschäftsstelle, die uns viel abnimmt und weiß, wie man uns hilft. Die Mitglieder, Spieler und Eltern wissen, dass Sie immer einen Ansprechpartner haben und umso schöner war es, mit Jens Löwe einen erfahrenen Knappen wieder in den Verein integriert zu haben, der als sportlicher Leiter viel zu tun hat und von Nachwuchsleiter Heiner Lißowski und Detlef Müller sehr gut die Geschicke leitet.

Die Würdigung des Ehrenamtes hat schon lange Nachholbedarf. Wissen Sie, wir haben in Deutschland viele kleine Baustellen, aber gerade das Ehrenamt muss gestärkt werden. Rentenpunkte oder steuerliche Vorteile können oder sollten hier machbar sein.

Wenn man am Ende aber sieht, welche Steine in den Weg gelegt werden und Ehrenamtler von Ehrenamtlern mit wirrten Entscheidungen und Strafen belegt werden, fehlt es an jeglichem Verständnis. Das dann Unmut entsteht und nicht jeder Zufriedenheit zeigt, ist die nächste Folge und führt am Ende dazu, dass sich ein Ehrenamtler hinterfragt, warum, ob und wie lange er sich sowas antut.

Baustelle war ein schönes Stichwort, was uns zur Sportstätte in Brieske kommen lässt. Immer wieder ist zu hören, dass der Verein Mehrbedarf anmeldet und auf Unterstützung der Stadt Senftenberg hofft.

Schauen wir uns doch einfach den Verein an. Wir haben zwei Herrenmannschaften mit fünf, eine Frauenmannschaft mit zwei, eine Altliga mit einer Trainingseinheit und mit den A (2), B1 (3) und C1 (3) Nachwuchsmannschaften die ebenfalls großen Bedarf für Training und Spiel haben. Im Kleinfeldbereich reden wir ebenfalls über 9 Mannschaften mit je zwei Trainingszeiten. Dazu sind wir froh, dass die B2 in Hosena trainieren und spielen kann und auch die C2 im Michael-Bautz-Sportpark gut aufgehoben ist. Schöner wäre es, wenn beide Mannschaften auch in Brieske wären, aber da kommen wir wieder auf das Ehrenamt zurück, da die Trainer ja selten vor 16 Uhr zum Training kommen können, spielt sich der Trainingsbetrieb der gesamten Mannschaften von 16.00 bis ca. 20.30 Uhr an. Wenn wir jetzt noch schauen, dass wir mit dem Kunstrasen und bei entsprechender Helligkeit das „Kleinfeld an der Traglufthalle“ 1,5 Plätze zum Training haben und froh sind, dass wir die Bambinis ab und zu auf die Elsterkampfbahn lassen können, sehen Sie das Grundproblem. Wir haben eindeutig zu wenig Platz, von den fehlenden oder zu kleinen Umkleidemöglichkeiten einmal abgesehen.

Es heißt, die Stadt Senftenberg ist bestrebt die Möglichkeiten zu verbessern?

Nun ja, wir hören dies auch ab und an, kommen aber nicht weiter. Seit nun mehreren Jahren warten wir auf den ersten Schritt mit einer möglichen Projektierung, damit man sich auch einmal klar werden kann, über welchen Aufwand und welchem Umfang man reden möchte. Es ist schön, wenn es immer wieder heißt, dass es verstanden ist und auch keiner was gegen einen möglichen Ausbau hat, aber am Ende doch kein Beginn ansteht. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass in meiner Amtszeit als Trainer noch ein Spatenstich passiert.

Lassen Sie uns noch auf das Jahr 2019 – Das Jubiläumsjahr – zurückblicken.

Es war ein insgesamt tolles Jubiläumsjahr. Wer kann schon behaupten in einem Jahr eine hochklassige Hallenturnierserie auf die Beine zu stellen, gegen Dynamo Dresden und Energie Cottbus zu spielen und im Landespokal bis in das Viertelfinale zu kommen. Leider hat das Pokalspiel noch ein Nachspiel vor dem Sportgericht, was das Erreichte natürlich wieder sehr eintrübt. Abgeschlossen haben wir das Jahr mit einer tollen Weihnachtsfeier und über 100 Brieskern. Eigentlich ein grundlegend schönes Jahr, wenn nicht die zwei großen Lücken kurz vor Weihnachten gerissen wurden. Mit den beiden Verstorbenen endet das Jahr leider traurig.

2020 steht vor der Tür – Worauf freuen Sie sich im neuen Jahr.

Ganz klar auf die Hallenturnierserie mit Traditionsturnier und insgesamt 10 Turnieren in der Niederlausitzhalle, dazu weiteren 10 Turnieren in der Sporthalle der Dr.-Otto-Rindt-Schule, wo wir uns sehr freuen, dass der Fußballkreis Südbrandenburg die Hallenkreismeisterschaften für D- und E-Junioren an uns vergeben hat und wir den Heimvorteil nutzen wollen. Dazu die anstehende Rückrunde und die Hoffnung, dass Hertha BSC zu Ihrem Wort steht und uns im Mai besuchen kommt. Weiterhin wollen wir zu Pfingsten, in Zusammenarbeit mit dem Senftenberger FC, die Pokalendspiele im Fußballkreis nach Brieske und Senftenberg holen und dort gleichzeitig ein Frühlingsfest ausrichten. Ähnliches soll auch noch einmal Mitte September passieren, wenn wir ebenfalls zünftig feiern wollen.

Die Knappen haben also wieder viel vor und das bestenfalls mit zwei Erfolgen Mitte Juni?

Wie schon erwähnt, müssen wir unsere Hausaufgaben machen und werden sehen, wo es am Ende hinführt. Wichtig ist aber auch, dass unsere zweite Mannschaft schnell den Klassenerhalt in der Landesklasse Süd schafft und wir dort auch weiter interessant für die Integration der jungen Spieler sein können. Aber lassen Sie mich zum Schluss noch eins loswerden.

Natürlich, das Schlusswort gehört Ihnen.

Das gesamte Präsidium ist stolz auf unsere Mitglieder, unsere Sponsoren und Helfer. Was da im Jahr 2019 geschaffen wurde ist wohl einmalig und auch für 2020 haben die Partner uns Zusagen gegeben, die uns langfristig planen lassen. Stellvertretend für viele Partner, stehen die Stadtwerke Senftenberg als Hauptsponsor in erster Reihe, aber auch der REWE Markt Kerstin Radke, das Volkswagen Autohaus Senftenberg oder IKO-je Bernd Jehne sind Partner, die schnell und unkompliziert zur Seite stehen wenn Fragen bestehen oder Hilfe jeglicher Art benötigt wird. Auch die Stadt Senftenberg mit Platzwart, Verwaltung und Bürgermeister hilft im Rahmen der Möglichkeiten, so dass wir uns trotz fehlender Modernisierung gut aufgehoben fühlen.

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